Lara

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“Ein Kinderbuch kann das innere Kind eines Erwachsenen erwecken.”

Warum gerade Erwachsene KinderbĂŒcher lesen sollten, wie Kindern und Erwachsenen unterschiedlich zuhören und warum niemand kreativ ist – darĂŒber sprechen wir mit der Kinderbuchautorin Martina TĂŒrschmann. AnlĂ€sslich des Kinderbuch-Tages am Freitag, den 4. April entstand ein Videointerview (hier gehts zum Video). Der folgende Text ist die aufbereitete Version diese GesprĂ€chs. 

Sind KinderbĂŒcher nur etwas fĂŒr Kinder?

Ich kenne einige Erwachsene, die auch KinderbĂŒcher lesen – warum auch nicht. Erwachsene sind hĂ€ufig in ihrem Alltag gefangen, sie sind verkopft. Kinder dagegen, die sind spontan – sie machen, wozu sie gerade Lust haben. Ein Kinderbuch kann das innere Kind eines Erwachsenen wecken. Gleichzeitig kann es viel dazu beitragen, mehr VerstĂ€ndnis fĂŒr Kinder zu bekommen, besonders fĂŒr ihre Probleme. Und letztendlich ist es die Freude ein Kinderbuch zu lesen – wenn es einem Erwachsenen ein LĂ€cheln ins Gesicht zaubert, warum nicht?

Sind Kinder die bessere Leserschaft?

Sowohl ein Erwachsener, als auch ein Kind können in ein Buch eintauchen – wenn es ihnen gefĂ€llt. Aber ich wĂŒrde sagen, dass Kinder andere Zuhörer sind. Das merke ich gerade bei Lesungen. Ich lese viel lieber vor Kindern. Kinder sind sehr ehrliche und direkte Leser. Sie sagen unverblĂŒmt, wenn ihnen etwas nicht passt. Auf der anderen Seite können Kinder auch beim Zuhören richtig eintauchen und gebannt sein. Das merkt man an allem: an ihrem Gesichtsausdruck, an ihrer Mimik, an ihrer Haltung. Der schönste Moment bei einer Lesung ist fĂŒr mich, wenn der Hampelmann der Klasse – das kriegt man ja mit, wenn man vorliest – auf einmal still dasitzt. Wenn er sich aufrichtet und leicht vorbeugt. Dann weiß ich: Ich hab ihn.

Du warst nicht immer Kinderbuchautorin. Was hast du davor gemacht?

Ich habe einen kunterbunten Lebenslauf. Erst war ich Biologielaborantin, dann schwenkte ich um zum BWL-Studium und arbeitete viele Jahre in diversen kaufmĂ€nnischen Jobs. Am Schluss hatte ich dann mit einer Freundin ein kleines Cafe – das war 2018 – da habe ich dann den Entschluss gefasst, mich ganz dem Schreiben zu widmen.

Ab wann konntest du vom Schreiben leben?

Naja, ehrlich gesagt ist dieser Zeitpunkt bei mir noch nicht eingetroffen (lacht). Ich denke, dass ich hier fĂŒr viele Autor:innen spreche, die sich den Lebensunterhalt nebenher verdienen mĂŒssen. Es gibt tatsĂ€chlich einige, die es geschafft haben – toll. Aber dazu zĂ€hle ich nicht – noch nicht.

Wie entwickelt man Charaktere?

Mir hilft es, bei einem TheaterstĂŒck oder bei einem Buch, wenn ich mich zuvor hinsetze und mir ĂŒber die Charaktere Gedanken mache. Was sind das fĂŒr Typen? Welche Eigenschaften haben sie? Wie fĂŒhlen sie? Wenn ich mir das aufschreibe, dann entsteht ein bestimmtes Bild in meinem Kopf. Aber Charaktere können sich durchaus auch beim Schreiben entwickeln, wenn der Charakter durch den Handlungsablauf etwas dazu lernt zum Beispiel. Generell hab ich aber den Charakter im Kopf bevor ich anfange und es bleibt dann auch dabei.

Hast du Tipps fĂŒr das alltĂ€gliche Schreiben?

Wenn man tĂ€glich schreiben möchte, ist es wichtig sich fĂŒr eine bestimmte Zeit mit seinem Buch, seinem Thema, seiner Idee auseinandersetzen. Bei mir ist es so: Ich muss mich an meinen Computer setzen und ich weiß, wenn ich dann gedanklich in meine Sachen eintauche, kommt eine Idee. Ich hab die Erfahrung gemacht, dass niemand kreativ ist. Die KreativitĂ€t kommt zu einem, wenn man sich damit auseinandersetzt. Manchmal bleibt diese KreativitĂ€t auch aus und man hat schlichtweg eine Schreibblockade – das ist völlig normal. Dann sollte man eine Pause machen und darauf vertrauen, dass es zu einem anderen Zeitpunkt wieder klappt.

 


 

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